E-Rechnungspflicht Frankreich 2026/2027: Y-Modell und Factur-X
Ab 1. September 2026 gilt in Frankreich die elektronische B2B-Rechnungspflicht. Große und mittelständische Unternehmen müssen versenden, alle müssen empfangen — über zertifizierte Plattformen (PDPs) nach dem sogenannten Y-Modell.
Betrifft: Alle in Frankreich mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen im B2B-Verkehr
Kurzüberblick
Frankreich führt die elektronische Rechnungspflicht im B2B-Verkehr ab dem 1. September 2026 gestaffelt ein. Rechtliche Grundlage sind die Loi de finances 2024 und das Dekret 2024-266. Der französische Ansatz unterscheidet sich strukturell vom deutschen: keine direkte Punkt-zu-Punkt-Zustellung, sondern ein Y-Modell mit zertifizierten Plattformen in der Mitte.
Die elektronische Pflicht greift zusätzlich zur existierenden B2G-Pflicht über Chorus Pro, die seit 2017 schrittweise in Kraft ist.
Zeitleiste
| Datum | Was gilt |
|---|---|
| seit 2017 | Chorus Pro für B2G-Rechnungen an den französischen Staat |
| 01.09.2026 | Empfangspflicht für alle mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen |
| 01.09.2026 | Versandpflicht für große (> 5.000 MA oder > 1,5 Mrd. € Umsatz) und mittlere Unternehmen (> 250 MA oder > 50 Mio. € Umsatz) |
| 01.09.2027 | Versandpflicht für kleine und Kleinstunternehmen (PME/TPE) |
| ab 01.09.2026 | Parallele e-reporting-Pflicht für B2C und grenzüberschreitende Umsätze |
Die Termine sind nach zwei Verschiebungen seit 2023 aktuell stabil — eine weitere Verschiebung ist politisch möglich, aber 2026 und 2027 bilden den rechtlich bindenden Rahmen.
Das Y-Modell
Anders als im deutschen Ansatz „Sender schickt an Empfänger” (Peppol, E-Mail) läuft in Frankreich jede B2B-Rechnung durch ein zertifiziertes System:
Absender (Emetteur)
│
▼
PDP (Plateforme de Dématérialisation Partenaire)
│ │
│ └────▶ PPF (Portail Public de Facturation)
│ — Flusskontrolle, Steuermeldung
▼
Empfänger-PDP
│
▼
Empfänger (Destinataire)
PDP (Partner Dematerialization Platforms) sind vom DGFiP (französische Finanzverwaltung) zertifizierte Dienstleister, die Rechnungen zwischen Absender und Empfänger transportieren. Parallel gehen alle relevanten Rechnungsdaten an das PPF — das staatliche Portal, das USt-Kontrolle und e-reporting abwickelt.
Der frühere Gedanke einer gratuits PPF-Lösung für KMU ist Ende 2023 zugunsten eines reinen PDP-Ökosystems aufgegeben worden. Jedes Unternehmen braucht ab 2026 einen Vertrag mit mindestens einer zertifizierten PDP.
Zulässige Formate
Der sogenannte Socle Commun (gemeinsamer Sockel) definiert drei Pflicht-Formate, die jede PDP empfangen und senden können muss:
- Factur-X — technisch identisch zu ZUGFeRD 2.x im Profil EN16931 oder BASIC
- UBL Invoice 2.1 — EN-16931-konform, identisch zum Peppol-Standard
- UN/CEFACT CII — die XML-Syntax aus ZUGFeRD/Factur-X ohne PDF-Hülle
Jede PDP darf zusätzliche Formate anbieten, muss aber die drei Sockel-Formate bidirektional unterstützen. Für grenzüberschreitende Rechnungen ist UBL via Peppol die übliche Wahl.
Pflichtangaben
Zusätzlich zu den Standard-Rechnungsangaben nach französischem Umsatzsteuerrecht verlangt das Dekret:
- SIREN / SIRET des Absenders und des Empfängers (BT-30-L2 / BT-47-L2)
- Typ der Operation (Lieferung, Dienstleistung, gemischt)
- Zahlungsbedingungen mit Zahlungsartcode (LCR, chèque, virement …)
- Währung (bei abweichend von EUR)
- Option TVA sur les débits (falls der Versteuerungszeitpunkt vom Standard abweicht)
Die Leitweg-ID aus dem deutschen B2G ist nicht anwendbar — in Frankreich adressiert die SIRET den Empfänger.
e-reporting — der zweite Pfeiler
Parallel zur e-invoicing-Pflicht greift das e-reporting: Unternehmen melden dem Staat die Umsatzsteuer-relevanten Daten aus Transaktionen, die nicht als B2B-Rechnung durchlaufen:
- B2C (Endkunden) — aggregierte Verkaufsdaten
- Grenzüberschreitende B2B (innerhalb EU, außerhalb) — da der Empfänger keine französische PDP nutzt
- Zahlungsmeldungen bei Dienstleistungen mit Versteuerung nach Zahlungseingang
Die Meldung erfolgt über dieselben PDPs, aber mit eigenem Datenumfang (ohne RechnungsXML, nur aggregierte Kennzahlen).
Mit der Dokmatiq-API umsetzen
Die API erzeugt Factur-X- und UBL-konforme Rechnungen. Die Zustellung an eine PDP übernimmt ein PDP-Dienstleister per eigener Schnittstelle — Dokmatiq liefert das Dokument in Socle-konformem Format:
# Factur-X erzeugen (Profil EN 16931, FR-spezifische Felder)
curl -X POST https://api.dokmatiq.com/v1/einvoice/factur-x \
-H "Authorization: Bearer $DOKMATIQ_KEY" \
-d '{
"profile": "EN16931",
"invoice": {
"id": "2026-FR-0042",
"issueDate": "2026-09-15",
"seller": { "name": "Exemple SAS", "vatId": "FR12345678901", "siret": "12345678901234" },
"buyer": { "name": "Client SARL", "vatId": "FR98765432109", "siret": "98765432101234" },
"lines": [{ "description": "Consulting", "quantity": 8, "unitPrice": 120.0 }]
}
}'
# Validierung gegen Socle Commun
curl -X POST https://api.dokmatiq.com/v1/einvoice/validate \
-H "Authorization: Bearer $DOKMATIQ_KEY" \
-H "X-Validation-Profile: FR-Socle-2026" \
--data-binary "@rechnung.pdf"
Die FR-Validierung prüft sowohl die EN-16931-Regeln als auch die zusätzlichen französischen Business Rules (SIRET-Pflicht, Zahlungscode-Werte, TVA-Option).
Abgrenzung: Frankreich vs. Deutschland
| Frankreich | Deutschland | |
|---|---|---|
| Transport | Y-Modell über PDPs | Punkt-zu-Punkt (Peppol, E-Mail) |
| Staatliche Stelle | DGFiP / PPF mit Datenzugriff | keine zentrale Datendrehscheibe |
| Empfang-Pflicht | 01.09.2026 | 01.01.2025 |
| Empfänger-ID | SIRET | Leitweg-ID (nur B2G) |
| Formate | Socle Commun (Factur-X, UBL, CII) | XRechnung, ZUGFeRD, Peppol BIS |
| Reporting | e-reporting für B2C und grenzüberschreitend | — |
Praxisfolge: wer nach Frankreich verkauft, braucht ab September 2026 eine PDP-Anbindung (oder einen AP, der mit einer PDP interoperiert). Wer aus Frankreich an deutsche Kunden liefert, produziert weiter Rechnungen in Factur-X/UBL — die kommen als EN-16931-konforme Dokumente auch in Deutschland an.
Häufige Stolpersteine
- „Wir nutzen doch schon Chorus Pro” — Chorus Pro ist B2G. Für B2B braucht es zusätzlich eine PDP ab 2026.
- PPF statt PDP geplant — der PPF bietet für Unternehmen keine Operator-Funktion mehr; das ist Ende 2023 gekippt worden.
- SIRET fehlt — viele deutsche ERP-Systeme erfassen nur VAT-IDs; für FR-Kunden ist die SIRET im Datenstamm zu ergänzen.
- Factur-X statt Factur-X — Frankreich akzeptiert nur Factur-X 1.0.07 oder höher im Profil EN 16931; ältere ZUGFeRD-Varianten (MINIMUM, BASIC WL) sind nicht Socle-konform.
Technisch startklar werden
Mit der Dokmatiq-API sind alle geforderten Formate in wenigen API-Calls abgedeckt — inklusive Validierung und Archivierung.